Wallraf-Richartz-Museum & Fondation Corboud

Der Platz sah das Wüten der französischen Revolution, überstand die Wirren zweier Weltkriege, erlebte Massenjubel, Volkstrauer, Staatsfeierlichkeiten und steht damit wie kein zweiter öffentlicher Ort für die bewegte Geschichte einer ganzen Nation: Die Rede ist von der Place de la Concorde. Doch nur wenige wissen, dass es ein junger deutscher Architekt war, der diesen Platz Anfang des 19. Jahrhunderts in ein urbanes Juwel verwandelte. Sein Name war Jakob Ignaz Hittorff. Das Wallraf-Richartz-Museum widmet ihm und seiner Neuerfindung des geschichtsträchtigen Ortes im Frühjahr 2017 eine große Sonderausstellung. Mit Paris erwacht! – Hittorffs Erfindung der Place de la Concorde (7. April bis 9. Juli 2017) küsst das Kölner Museum den Platz der Eintracht nach knapp 200 Jahren wieder wach. Die Besucher reisen in eine Zeit, als sich Paris auch Dank der klugen architektonischen Planung von Hittorff als europäische Metropole erfindet und zwar in harter Konkurrenz zu Rom, London, Madrid und Wien. Die Sonderschau mit mehr als hundert detailverliebten Originalentwürfen von Hittorff ist auch eine gefühlvolle Hommage an einen Kölner Künstler, der in Frankreich zum Star wurde.

Das Wallraf-Richartz-Museum besitzt mehr als 250 Zeichnungen, die Jakob Ignaz Hittorff ab 1820 im Auftrag der Stadt Paris für die Neueinrichtung der Place de la Concorde anfertigte. Dabei ging es ihm zum einen um die verkehrsstrategische Einbindung des Platzes in das urbane Gesamtgefüge und zum anderen um eine moderne Möblierung mit Kandelabern, Brunnenanlagen, Wegesystemen und dem Obelisken von Luxor. Im Anblick seiner Zeichnungen wird die spannende Planungsgeschichte des historischen Pariser Ortes wieder sicht- und spürbar. Zugleich macht die Ausstellung im Wallraf den Platz, der heute durch ohrenbetäubenden, nie abreißenden Autolärm bestimmt wird, auch historisch wieder lesbar.

Anfang des 19. Jahrhunderts erwacht das moderne Paris an seinem größten Platz, der Place de la Concorde, und zwar auch in der Nacht, denn es ist einer der ersten öffentliche Orte in Europa, der in künstliches Licht getaucht wird. Mit der nächtlichen Gasbeleuchtung beginnt in Frankreich das Zeitalter der Industrialisierung und der Platz der Einheit wird zum architektonischen Aushängeschild einer sich neu erfindenden Nation. Mit der spektakulären Aufrichtung des Obelisken von Luxor am 25. Oktober 1835 wird die Platz-Neugestaltung durch Jakob Ignaz Hittorff abgeschlossen.