Wallraf-Richartz-Museum & Fondation Corboud
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KÖLNS ERSTES MUSEUM

„Zur Erbin meines sämtlichen Nachlasses […] setze ich die Stadt und die Gemeinde Köln ein, meine Vaterstadt.“ Mit diesen Worten aus dem Testament von Ferdinand Franz Wallraf (1748 – 1824) beginnt die Geschichte des Wallraf-Richartz-Museums & Fondation Corboud.

Als Wallraf am 18. März 1824 stirbt, erbt die Stadt einen ungeheuren Besitz. Überwältigend ist die Anzahl von Altären, Gemälden, Zeichnungen, Büchern, Münzen und anderen Kunstgegenständen, die der Sammler seinerzeit vor dem Wüten der Säkularisierung bewahrt hatte. Schon bald nach seinem Tod sucht die Stadt nach einem geeigneten Ort für die Unterbringung der Sammlung. Doch bis ein erstes eigenes Gebäude errichtet werden kann, vergehen noch mehrere Jahrzehnte.

Xaver Steifensand (Kaster 1809 – 1876 Düsseldorf): Ferdinand Franz Wallraf, 1861, Stich nach dem Wallraf-Porträt von Egidius Mengelberg. Wallraf-Richartz-Museum, Graphische Sammlung. Inv. Nr. WRM Dep. 1998/1

 

EIN 30 JÄHRIGES ZAUDERN –
VOM WALLRAFIANUM ZUM WALLRAF-RICHARTZ-MUSEUM

Der Maler und Schriftsteller Matthias Joseph de Noël (1782 – 1849) führt nach dem Tod seines Freundes Wallraf die Verhandlungen um das Erbe mit dem Rat der Stadt. Im Jahr 1827 gelingt es ihm – inzwischen zum ersten Konservator der Sammlung ernannt –, eine provisorische Unterbringung im ehemaligen Quartier der Kölner Erzbischöfe in der Trankgasse einzurichten: Das Wallrafianum.

 

Wilhelm Wintz (Köln 1823 – 1899 Paris): Trankgasse mit Deichmann'schem Haus, Kölner Hof und Umgebung, 1844, Federzeichnung. Kölnisches Stadtmuseum, Graphische Sammlung. Inv. Nr. A I 3/964, Köln

Als 1844 der Maler Johann Anton Ramboux (1790 – 1866) die Nachfolge de Noëls im Amt des Konservators antritt, wird ein möglicher Museumsbau schon seit langem kontrovers diskutiert. Viele namhafte Architekten, darunter Jakob Ignaz Hittorff, Sulpiz Boisserée und Ernst Zwirner, hatten der Stadt Pläne vorgelegt, die jedoch aus Geldmangel nicht ausgeführt wurden.

Erst als im Jahre 1854, also dreißig Jahre nach Wallrafs Tod, der Kaufmann Johann Heinrich Richartz (1795 – 1861) 100.000 Taler zum Bau des Museums stiftet, willigt der Stadtrat ein. Der erste Museumsbau des Rheinlandes kann in Angriff genommen werden. Nach den Plänen des Kölner Architekten Josef Felten (1799 – 1880), einem Freund von Richartz, erfolgt alsbald die Grundsteinlegung auf dem Gelände des ehemaligen Minoritenklosters.

Josef Felten (Köln 1799 – 1880 Köln): Wallraf-Richartz-Museum, 1861, Aquarell.

Sieben Jahre später, am 1. Juli 1861, wird das Wallraf-Richartz-Museum feierlich eröffnet. Die begeisterte Einweihungsrede des Kölner Oberbürgermeisters Hermann Joseph Stupp gipfelt in dem Satz „Köln hat große Männer hervorgebracht – aber ein Richartz war bisher nicht geboren worden!“ Der Mäzen selbst erlebt die Eröffnung nicht mehr. Johann Heinrich Richartz stirbt kurz vor der feierlichen Inbetriebnahme. Das Gedenken an ihn wird im Namen des Museums jedoch lebendig gehalten.


AUFSTIEG UND FALL –
DAS WALLRAF-RICHARTZ-MUSEUM IN DER ZEIT DES ZWEITEN WELTKRIEGS

Die Beliebtheit und auch die Bestände des Museums vergrößern sich in den folgenden Jahren stetig. Zahlreiche Leihgaben, Bürgerschenkungen und Ankäufe von Alten Meistern und modernen Werken, vor allem des Impressionismus, machen das Haus unter der Leitung von Carl Aldenhoven (1842 – 1907) und Alfred Hagelstange (1874 – 1914) bald zu einem der bedeutendsten Museen in Deutschland.

Unter Direktor Otto Förster (1894 – 1975) wird im Jahr 1936 die Sammlung Carstanjen erworben. Mit wertvollen Werken von Rembrandt und Frans Hals ist nun der Grundstein für den Aufbau einer Galerie von europäischem Rang gelegt. 1936 ist auch das Jahr der großen Stefan-Lochner-Ausstellung: Aus Anlass des 75-jährigen Bestehens des Wallraf-Richartz-Museums vereint Förster alle bis dahin der Wissenschaft bekannten Werke des Kölner Meisters in einer Sonderschau.


„ENTARTET“ UND ZERSTÖRT

Nur ein Jahr später beschlagnahmen die Nationalsozialisten zahlreiche Werke für ihre Propagandaausstellung „Entartete Kunst“. Unschätzbare Exponate, darunter Gemälde und Zeichnungen von Picasso, Munch, Beckmann, Gauguin, Dix und Kokoschka, gehen der Sammlung verloren. Ein Schlag folgt auf den nächsten: In den Bombennächten des Jahres 1943 wird das Museum völlig zerstört. Die Kunst kann jedoch durch rechtzeitige Auslagerung gerettet werden.

Wallraf-Richartz-Museum, 1943. Foto: Rheinisches Bildarchiv Köln


AUFBRUCH UND NEUBEGINN –
DIE NACHKRIEGSJAHRE UND DER EINZUG DER MODERNE

Mit großem Interesse hatte der Kölner Jurist und Kunstsammler Josef Haubrich (1889 – 1961) die Entwicklung des Wallraf-Richartz-Museums verfolgt. In seiner Stadt Köln, die wie kaum eine andere in Deutschland im Krieg zerstört worden war, setzt er im Jahr 1955 ein Zeichen des Aufbruchs und Neubeginns: Als Ersatz für die vom NS-Regime beschlagnahmten Werke stiftet er dem Museum seine bedeutende Sammlung des deutschen Expressionismus und der Moderne.

Wallraf-Richartz-Museum, 1957. Foto: Rheinisches Bildarchiv Köln

Zwei Jahre später, 1957, wird das neue Gebäude des Wallraf-Richartz-Museums (heutiger Sitz des Museums für Angewandte Kunst) eröffnet. Die Architekten sind Rudolf Schwarz (1897 – 1961) und Josef Bernard (1902 – 1959). 1968 erhält das Haus mit der Sammlung Peter und Irene Ludwig (1925 – 1996 / 1927 – 2010) einen weiteren wichtigen Zugewinn an moderner Kunst.


ZWEI SAMMLUNGEN UNTER EINEM DACH –
DAS WALLRAF-RICHARTZ-MUSEUM UND DAS MUSEUM LUDWIG

Unter der Direktion von Gerhard Bott (*1927), der 1975 sein Amt antritt, beschließt die Stadt Köln zusammen mit dem Stifterehepaar Ludwig, ein eigenes Museum für die Kunst des 20. Jahrhunderts zu etablieren: Das Museum Ludwig wird gegründet. Für beide Museen soll ein gemeinsamer Neubau errichtet werden und die Überlegungen dazu werden kontrovers diskutiert. 1974 erfolgt die Ausschreibung und 1976 fällt die Entscheidung: Als Preisträger aus dem Wettbewerb gehen die Kölner Architekten Peter Busmann (*1933) und Godfrid Haberer (*1941) hervor. Rund ein Jahrzehnt später, 1986, beziehen das Wallraf-Richartz-Museum und das Museum Ludwig ihr neues Domizil zwischen Dom und Rhein.

Wallraf-Richartz-Museum, 1986. Foto: Rheinisches Bildarchiv Köln


IM HERZEN DER STADT UND AN HISTORISCHER STELLE –
EIN NEUES HAUS FÜR DIE ALTEN MEISTER

Als das Ehepaar Ludwig der Stadt Köln 1994 auch seine Sammlung von Werken Pablo Picassos schenkt, wird der wenige Jahre zuvor bezogene Museumsneubau zu klein für die alte und die neue Kunst. So beschließt der Rat der Stadt Köln 1996, für das Wallraf-Richartz-Museum ein neues, eigenes Gebäude im historischen Zentrum der Stadt nach Plänen des Kölner Architekten Oswald Mathias Ungers (1926 – 2007) zu errichten. Im Januar 2001 wird der neue Standort, in direkter Nachbarschaft zum Geburtshaus von Stefan Lochner, bezogen.

Wallraf-Richartz-Museum, 2001. Foto: Rheinisches Bildarchiv Köln


LÄNGST NICHT DIE GANZE GESCHICHTE –
DIE GLANZLICHTER DER FONDATION CORBOUD

Im Jahr 2001, im selben Jahr der Eröffnung des Neubaus, vermachen der Schweizer Unternehmer Gérard J. Corboud (*1925) und seine in Köln geborene Frau Marisol Corboud dem Wallraf-Richartz-Museum ihre umfangreiche Sammlung von impressionistischen und postimpressionistischen Gemälden als „ewige Leihgabe“. Aus Dank und zu Ehren der Stifter trägt das Museum seither den Namen Wallraf-Richartz-Museum & Fondation Corboud.