Wallraf-Richartz-Museum & Fondation Corboud
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DIE NATUR IST GRAU

Max Liebermann
Die Rasenbleiche
, 1882

In einem Bauerngarten mit alten Bäumen sind zwei Mägde damit beschäftigt, Wäsche zum Bleichen auf der Wiese auszubreiten. Die weiträumige Rasenfläche ist bereits mit mehreren Wäschestücken belegt. Die Wäscherinnen sind nicht allein: Im Hintergrund links sitzt ein Mädchen im Gras, zwei Bäuerinnen unterhalten sich über den Zaun hinweg. Vor dem Bauernhof rechts ist eine Schar Hühner mit der Futtersuche beschäftigt. Gleichmäßig durchdringt das Licht das dichte Blätterdach der Obstbäume. Zusätzlich unterstreicht die harmonische Wirkung der unterschiedlichen Grüntöne die friedliche Stimmung des Bildes.

Die Komposition wirkt in ihrer heutigen Erscheinungsform eher wie ein Landschaftsbild. Das Element der Arbeit, das um die Jahrhundertwende in Liebermanns Werk ein wichtiges Thema war, tritt hier zurück. Die ursprüngliche Bildidee war jedoch anders angelegt. Aus dem Katalog des Pariser „Salon“ von 1883, auf dem das Bild erstmals ausgestellt war, ist eine Nachzeichnung des ersten Zustands bekannt. Demnach kniete in der früheren Version im Vordergrund vor dem Waschzuber eine Wäscherin in fast monumentaler Größe und breitete wie die anderen beiden Mägde ein Wäschestück aus, während hinter dem rechten Obstbaum eine Waschfrau mit schwerem Holzeimer erkennbar war. Beide Figuren sind von Liebermann später übermalt worden. Zudem kürzte er das Bild am unteren Bildrand um etwa 20 Zentimeter, wodurch es ein gestrecktes Format erhielt. Dies kam dem neuen Charakter eines Landschaftsbilds mit nun fast wie Staffagefiguren wirkenden Bauernmägden zugute. Der nach der Übermalung jetzt allein den Vordergrund bestimmende Waschzuber wirkt wie ein Stillleben und fügt sich der veränderten Bildstimmung harmonisch ein.

Das Bild ist in Zweeloo gemalt worden. Bereits 1871 hatte sich Liebermann für wenige Tage in Holland aufgehalten und 1872 seinen Aufenthalt auf mehrere Wochen ausgedehnt. Bis zum Ersten Weltkrieg kehrte er regelmäßig zu Studienzwecken dorthin zurück.

Max Liebermann (Berlin 1847 – 1935 Berlin): Die Rasenbleiche, 1882, Öl auf Leinwand, 109 x 173 cm. Erworben 1954. Inv. Nr. WRM 2939. Foto: Rheinisches Bildarchiv Köln

Max Liebermann
Berlin 1847 – 1935 Berlin

Die Rasenbleiche
1882, Öl auf Leinwand, 109 x 173 cm
Erworben 1954
Inv. Nr. WRM 2939
Foto: Rheinisches Bildarchiv Köln