Wallraf-Richartz-Museum & Fondation Corboud
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DER MEISTER UND MARGUERITE

Jean Honoré Fragonard und Marguerite Gérard
Die Angorakatze,
um 1783

Am Vorabend der Französischen Revolution hatte sich die Mode schon darauf eingestellt, dass das höfische Zeremoniell einem bescheideneren, bürgerlichen Lebensstil weichen sollte. In der Kunst äußerte sich dies in einer neuen Vorliebe für Genreszenen, einfache Kostümierung und eine gelöste Haartracht. Nicht mehr die Klassik Roms, sondern die undramatische Kunst der Niederlande stand hoch im Kurs. In jenem neuen Geist wurde auch dieses Gemälde geschaffen. Es zeigt eine junge, modisch gewandete Frau in einem holländisch anmutenden Ambiente. Der Teppich auf dem Tisch, das Gemälde im Hintergrund und die alte Dienerin sind typisch für Werke, die wir dem 17. Jahrhundert zuordnen würden. Doch die Grazie der Hauptperson lässt schnell die Epoche erraten, der das Bild zuzuordnen ist: dem Rokoko.

Im Mittelpunkt sieht man eine kuriose Szene: Offenbar wurde gerade ein schwarzes Tuch von der silbrigen Kugel gelüftet. Eine Angorakatze entdeckt darin ihr Spiegelbild oder das, was sie vielleicht für eine Rivalin hält. Die Kugel spiegelt zudem, was sich hinter uns befinden müsste: Eine Frau sitzt an einer Staffelei in einem kleinen Raum, in dem sich zwei weitere Personen aufhalten.

Richten wir unser Augenmerk noch auf einige andere Details: Das Gemälde an der Wand ist im Stil des damals sehr bewunderten Künstlers Paulus Potter (1625 – 1654) gehalten, der Teppich stammt aus dem späten 17. oder frühen 18. Jahrhundert und das Kleid stellt eine Variation der „Robe à L’Anglaise“ dar, die mit ihren bauschigen Ärmeln nach 1780 vornehmlich nur noch auf der Bühne getragen wurde.

Marguerite Gérard und Jean-Honoré Fragonard arbeiteten so eng zusammen – im Louvre teilten sie ein Atelier –, dass ihre Gemälde gelegentlich dem jeweils anderen zugeschrieben wurden. Als Autorin dieses Bildes galt lange Zeit allein Gérard, die Schwägerin und Schülerin Fragonards; inzwischen wird das Gemälde als Gemeinschaftswerk beider Künstler angesehen.

Jean Honoré Fragonard (Grasse 1732 – 1806 Paris) und Marguerite Gérard (Grasse 1761 – 1837 Paris): Die Angorakatze, um 1783 – 85, Öl auf Leinwand, 65 x 53,5 cm, Erworben 2011 als Geschenk der Stadt Köln zum 150. Jubiläum des Museums. WRM 3652. Foto: Rheinisches Bildarchiv Köln

Jean Honoré Fragonard
Grasse 1732 – 1806 Paris
Marguerite Gérard

Grasse 1761 – 1837 Paris

Die Angorakatze
um 1783, Öl auf Leinwand, 65 x 53,5 cm
Erworben 2011 als Geschenk der Stadt Köln zum 150. Jubiläum des Museums
Inv. Nr. WRM 3652
Foto: Rheinisches Bildarchiv Köln