Wallraf-Richartz-Museum & Fondation Corboud
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REMBRANDTS LACHEN

Rembrandt Harmensz. van Rijn
Selbstbildnis,
um 1663

Sichtlich gealtert porträtiert sich der Maler in diesem Bild, das in einer langen Reihe von etwa 70 Selbstbildnissen steht. Wie kein anderer betrieb Rembrandt dabei eine psychologisierende Selbsterforschung. So galt der Blick, der nun auf den Betrachter gerichtet ist, während des Malens seinem eigenen Spiegelbild. Die hoch gezogenen Augenbrauen und der offene, vielleicht lachende Mund sprechen von einem ungebremsten Trotzen gegenüber aller Konvention, die nur die Souveränität des fortgeschrittenen Alters erlaubt. Rembrandt dokumentiert seine Physiognomie in einer unerbittlichen Direktheit, mit einem derart pastosen Farbauftrag, dass man meint, die tiefen Falten an Stirn und Wangen, die schweren Tränensäcke unter den Augen förmlich spüren zu können. Was aber könnte Rembrandt Anlass zum Lachen gegeben haben?

Seit Jahrzehnten beschäftigt diese Frage die Kunsthistoriker. Denn das Werk selbst gibt keine Hinweise, die sich eindeutig entschlüsseln lassen. Ist die nur schemenhafte Gestalt am linken Bildrand eine Skulptur oder erscheint sie als Bild auf der Staffelei? Zeigt sich Rembrandt hier als Maler mit Pinsel und Malstock? Verschieden sind die Interpretationen, die für dieses Gemälde gefunden wurden: Manche meinten, es sei der Gott Terminus, der als Büste vor Rembrandt stünde und an das nahe Lebensende erinnere. Andere deuteten die fragliche Gestalt als weinenden Heraklit, dem gegenüber sich Rembrandt in der Rolle des lachenden Philosophen Demokrit zeige, gewissermaßen als Anhänger des heiteren Lebensprinzips. Vielleicht darf man in der schemenhaften Figur eine Anspielung auf  die hässliche Alte sehen, die sich voller Eitelkeit von dem antiken Maler Zeuxis porträtieren lassen wollte. Bei ihrem Anblick, so will es die Anekdote, soll dieser sich zu Tode gelacht haben.

Aber lacht Rembrandt überhaupt? Das Kölner Selbstbildnis wird uns wohl noch länger ein Rätsel bleiben.

Rembrandt Harmensz. van Rijn (Leiden 1606 – 1669 Amsterdam): Selbstbildnis, um 1668, Öl auf Leinwand, 82,5 x 65 cm. Erworben 1936 mit der Sammlung Carstanjen. Inv. Nr. WRM 2526. Foto: Rheinisches Bildarchiv Köln

Rembrandt Harmensz. van Rijn
Leiden 1606 – 1669 Amsterdam

Selbstbildnis
um 1668, Öl auf Leinwand, 82,5 x 65 cm
Erworben 1936 mit der Sammlung Carstanjen
Inv. Nr. WRM 2526
Foto: Rheinisches Bildarchiv Köln