Wallraf-Richartz-Museum & Fondation Corboud

GROßES THEATER


„Die ganze Welt ist ein Theater; jeder spielt seine Rolle“ heißt es bei William Shakespeare (1564 – 1616). Gemäß dieser Vorstellung vom Leben als Theater war die Bildsprache des Barock in besonderer Weise von der Nähe der bildenden zur darstellenden Kunst geprägt. Der wechselseitige Einfluss der beiden Gattungen aufeinander erklärt sich durch das gemeinsame Ziel von Theater und Malerei, die Zuschauer und die Betrachter davon zu überzeugen, dass das Gezeigte vor ihren Augen Wirklichkeit wird. Diese Beziehung der Künste basiert auf der bereits in der Antike geläufigen Vorstellung einer Wesensverwandtschaft von Poesie und Malerei: „ut pictura poesis“ (Horaz).

In der Praxis bedeutete dies, dass sich die Maler am Geschehen auf der Bühne orientierten und sich in die Perspektive eines Regisseurs versetzten. Die Kunstliteratur ist voll von derartigen Empfehlungen. Überliefert ist auch, dass Lehrlinge zur Schulung der Figurensprache im Atelier kleine Theaterstücke aufführten. 

Die Gegenreformation verstärkte die Orientierung an theaterhafter Bildsprache. Die Malerei sollte die Betrachter mit allen ihr zur Verfügung stehenden Mitteln in den Schoß der katholischen Kirche zurücktreiben oder dort halten. Galt es bis dahin, mit der Schilderung von Affekten maßvoll umzugehen, so setzten die Maler ab der Mitte des 16. Jahrhunderts auf eine Bildrhetorik, die ganz gezielt Emotionen hervorrufen sollte. Von nun an konzentrierte man sich darauf, große Gefühle wie Leid und Schmerz, Staunen, Schrecken oder spirituelle Verzückung so darzustellen, dass sich die Empfindung auf die Betrachter überträgt, sie „mitfühlen“ lässt. Es war die Zeit der mächtigen Pathosformeln, des Großen Theaters in der Malerei.

  • Paris Bordone (Treviso 1500 – 1571 Venedig): Bathseba im Bade, um 1549. Öl auf Leinwand, 234 x 217 cm. Erworben 1870. WRM 0517. Foto: Rheinisches Bildarchiv
    Paris Bordone (Treviso 1500 – 1571 Venedig): Bathseba im Bade, um 1549. Öl auf Leinwand, 234 x 217 cm. Erworben 1870. WRM 0517. Foto: Rheinisches Bildarchiv
  • Jusepe de Ribera (Játiva um 1591 – 1652 Neapel): Paulus Eremita, 1647. Öl auf Leinwand, 130 x 103,5 cm. Erworben 1936 mit der Sammlung Carstanjen. WRM 2553. Foto: Rheinisches Bildarchiv
    Jusepe de Ribera (Játiva um 1591 – 1652 Neapel): Paulus Eremita, 1647. Öl auf Leinwand, 130 x 103,5 cm. Erworben 1936 mit der Sammlung Carstanjen. WRM 2553. Foto: Rheinisches Bildarchiv
  • Bartolomé Estéban Murillo (Sevilla 1618 – 1682 Sevilla): Alte Frau und Junge, um 1650 – 1655. Öl auf Leinwand, 146 x 106 cm. Erworben 1936 mit der Sammlung Carstanjen. WRM 2541. Foto: Rheinisches Bildarchiv
    Bartolomé Estéban Murillo (Sevilla 1618 – 1682 Sevilla): Alte Frau und Junge, um 1650 – 1655. Öl auf Leinwand, 146 x 106 cm. Erworben 1936 mit der Sammlung Carstanjen. WRM 2541. Foto: Rheinisches Bildarchiv
  • Mattia Preti (Taverna  1613 – 1699  Valletta): Judith mit dem Haupt des Holofernes, 1660er Jahre. Öl auf Leinwand, 194,5 x 144 cm. Erworben 1894 als Geschenk des Schaaffhausenschen Bankvereins Köln. WRM 1455. Foto: Rheinisches Bildarchiv
    Mattia Preti (Taverna 1613 – 1699 Valletta): Judith mit dem Haupt des Holofernes, 1660er Jahre. Öl auf Leinwand, 194,5 x 144 cm. Erworben 1894 als Geschenk des Schaaffhausenschen Bankvereins Köln. WRM 1455. Foto: Rheinisches Bildarchiv