Wallraf-Richartz-Museum & Fondation Corboud

Von Sitten und Unsitten


Ob Wirtshaus, Wachstube oder privates Interieur, die hier gezeigten Bilder vermitteln einen Einblick in die holländische Alltagskultur des 17. Jahrhunderts. Aber spiegeln diese Bilder tatsächlich das Leben wider, wie es der Bauer, der Soldat, die Magd oder die Dame des Hauses führten?

Schon lange diskutiert die Wissenschaft darüber, wie authentisch solche Darstellungen des vermeintlichen Lebensalltags wirklich sind: Besitzen die Bilder vielleicht eine Bedeutungsebene, die über das Gezeigte hinausweist? Oft begegnen uns in dieser Epoche, etwa in der zeitgenössischen Literatur, moralische Warnungen, verknüpft mit der Vorstellung von der Endlichkeit des irdischen Daseins.

Wenn der Maler also eine Frau bei der Handarbeit darstellt, beschreibt er damit ein Beispiel der Tugend? Oder wenn er Bauern in der Taverne zeigt, die unmäßig trinken, sich streiten und ihr Geld verspielen, klagt er sie an und berichtet von schlechten Sitten? 

Inzwischen herrscht Einigkeit darüber, dass die holländische Malerei von Alltäglichkeiten berichtet, die gleichzeitig moralische Botschaften vermitteln. Die Bilder handeln von Sitten und Unsitten. Bei Letzteren waren sie aber vor allem dazu da, sich über das Dargestellte zu amüsieren – durchaus auf Kosten derer, die hier in schlechtem Licht erscheinen!

  • Govaert Dircksz. Camphuysen (Dokkum 1624 – 1672 Amsterdam): Das Innere einer Bauernhütte (o.J.). Öl auf Eichenholz, 66,5 x 54,5 cm. Erworben 1936 mit der Sammlung Carstanjen. WRM 2565. Foto: Rheinisches Bildarchiv
    Govaert Dircksz. Camphuysen (Dokkum 1624 – 1672 Amsterdam): Das Innere einer Bauernhütte (o.J.). Öl auf Eichenholz, 66,5 x 54,5 cm. Erworben 1936 mit der Sammlung Carstanjen. WRM 2565. Foto: Rheinisches Bildarchiv
  • Jan Steen (Leiden 1626 – 1679 Leiden): Amnon und Thamar, 1661/1670. Öl auf Eichenholz, 67 x 83 cm. Erworben 1936 mit der Sammlung Carstanjen. WRM 2536. Foto: Rheinisches Bildarchiv
    Jan Steen (Leiden 1626 – 1679 Leiden): Amnon und Thamar, 1661/1670. Öl auf Eichenholz, 67 x 83 cm. Erworben 1936 mit der Sammlung Carstanjen. WRM 2536. Foto: Rheinisches Bildarchiv
  • Gerard ter Borch, d. J. (Zwolle 1617 – 1681 Deventer): Wachtstube, um 1650/1660. Öl auf Eichenholz, 54,6 x 40,5 cm. Erworben 1916 als Vermächtnis. WRM 1001. Foto: Rheinisches Bildarchiv
    Gerard ter Borch, d. J. (Zwolle 1617 – 1681 Deventer): Wachtstube, um 1650/1660. Öl auf Eichenholz, 54,6 x 40,5 cm. Erworben 1916 als Vermächtnis. WRM 1001. Foto: Rheinisches Bildarchiv
  • Aelbert Jacobsz. Cuyp (Dordrecht 1620 – 1691 Dordrecht): Landschaft mit Hirten und Kühen, 1650/55. Öl auf Leinwand, 101,5 x 135 cm. Erworben 1936 mit der Sammlung Carstanjen. WRM 2532. Foto: Rheinisches Bildarchiv
    Aelbert Jacobsz. Cuyp (Dordrecht 1620 – 1691 Dordrecht): Landschaft mit Hirten und Kühen, 1650/55. Öl auf Leinwand, 101,5 x 135 cm. Erworben 1936 mit der Sammlung Carstanjen. WRM 2532. Foto: Rheinisches Bildarchiv
  • Gerrit Lundens (Amsterdam 1622 – 1683 Amsterdam): Der Dorfchirurg, um 1650. Öl auf Eichenholz, 32,5 x 25 cm. Leihgabe aus Privatbesitz, WRM Dep. 533. Foto: Rheinisches Bildarchiv
    Gerrit Lundens (Amsterdam 1622 – 1683 Amsterdam): Der Dorfchirurg, um 1650. Öl auf Eichenholz, 32,5 x 25 cm. Leihgabe aus Privatbesitz, WRM Dep. 533. Foto: Rheinisches Bildarchiv