Wallraf-Richartz-Museum & Fondation Corboud
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VON DER EINSAMKEIT

Edvard Munch
Die Einsamen
, 1899 (1917)

Zwei Menschen am Strand, ein Mann und eine Frau, haben dem Betrachter den Rücken zugewandt. Der räumliche Abstand zwischen ihnen korrespondiert mit der Leere des sich vor ihnen scheinbar ins Unendliche ausbreitenden Meeres. Die Komposition ruft den Eindruck von Verlassenheit der Menschen in der Natur und ihrer Entfremdung untereinander hervor. Die Silhouette des Mannes bleibt mit dem schwarzen Küstenstreifen verbunden, während das in Weiß gehaltene Kleid der Frau sich von Meer und Küste deutlicher absetzt. Himmel und Meer sind selbst farblich nicht zu unterscheiden, der Horizont ist lediglich durch eine feine waagerechte Linie markiert.

Die Technik des Holzschnitts entdeckte Munch 1896 für sich. Mehr noch als Radierung und Lithographie entsprach dieses Medium seinen Vorstellungen von künstlerischer Vereinfachung der Formen und von der zeichnerischen Umsetzung menschlicher Emotionen in der Graphik. Der Farbholzschnitt Die Einsamen geht auf die Komposition eines heute verlorenen Gemäldes von Munch zurück. Der Künstler arbeitete 1899 an dem Holzstock und griff die Arbeit ein weiteres Mal 1917 auf. Der farbige Druck entstand, nachdem der fertige Holzstock entlang der Silhouette der Figuren und der Küste zersägt worden war. Die zwei Teile, die wie Stücke eines Puzzles ineinandergriffen, wurden unterschiedlich eingefärbt und dann gemeinsam auf Papier gepresst. Dabei setzte Munch die Maserung des Holzes bewusst zur Gestaltung der Bildoberfläche mit ein.

Edvard Munch (Løten 1863 – 1944 Ekely/Skoyen): Die Einsamen. 1899 (1917). Farbholzschnitt vom zerschnittenen Stock in Schwarz und Graublau. 39,4 x 54,6 cm. Inv. Nr. WRM 1962/9

Edvard Munch
Løten 1863 1944 Ekely/Oslo

Zwei Menschen. Die Einsamen.
1899 (1917). Farbholzschnitt vom zerschnittenen Stock in Schwarz und Graublau. 39,4 x 54,6 cm
Erworben 1962
Inv. Nr. WRM 1962/9