Wallraf-Richartz-Museum & Fondation Corboud

VOM BILD ZUM BILDNIS


Auf vielen Bildern dieser Galerieetage haben Sie Menschen gesehen, die als Zeitgenossen des Malers von den heiligen Personen abgesetzt sind. Man nennt diese Darstellungen Stifterporträts. Damit ist gemeint, dass die betreffenden Personen das jeweilige Bild bestellt und bezahlt haben. Neben dem finanziellen Engagement werden Frömmigkeit und Gottesnähe der Stifter dargestellt. Insofern handelt es sich um Vor-Bilder.

Frühe Stifterporträts geben keine Auskunft über die Gesichtszüge der Menschen. Aus historischen Steckbriefen wissen wir, dass die Kleidung viel wichtiger war und als unveränderliches Merkmal galt. Das erklärt sich durch die Kleiderordnungen, die – besonders in Städten – genau vorschrieben, wer was zu tragen hatte. In Gemälden gaben oft Wappen Auskunft über sozialen Rang und Identität der Personen. Auch die Bildposition war den Stiftern wichtig: nahe am Kreuz oder eher bescheiden auf den Flügeln eines Triptychons.

Das eigenständige, seinem Auftraggeber ähnelnde Porträt entstand im 15. Jahrhundert und entwickelte eine große Vielfalt an Formen und Funktionen. Männer warben mit ihrem Porträt um die Gunst einer entfernt lebenden Braut. Nach der Heirat wurde das Porträt der Ehefrau dann dem des Mannes hinzugefügt. Mit Scharnieren verbundene Doppelporträts (Saal 13) oder sogar als Dosen verschließbare Porträtmedaillons entstanden. Details in der Ausstattung der Porträtierten konnten nun – wie die Attribute (Kennzeichen) der Heiligen – auf Eigenschaften oder Ziele der dargestellten Menschen hinweisen.

Privatporträts wie die hier gezeigten wurden nicht vor dem lebenden Modell gemalt. Als Vorlage diente eine Zeichnung, und das Kostüm studierte der Maler separat – zum Beispiel auf einen „stummen Diener“ gehängt. 

  • Utrecht, um 1495: Bildnis eines Mannes mit Akelei. Eichenholz, 33 x 25 cm. Erworben 1965. WRM 0882. Foto: Rheinisches Bildarchiv Köln
    Utrecht, um 1495: Bildnis eines Mannes mit Akelei. Eichenholz, 33 x 25 cm. Erworben 1965. WRM 0882. Foto: Rheinisches Bildarchiv Köln
  • Hans Cranach (?) (Wittenberg um 1513 – 1537 Bologna): Bildnis eines Prinzen, 1529. Eichenholz, 37 x 28,5 cm. Erworben 1957 als Geschenk des Landes Nordrhein-Westfalen. WRM 0874. Foto: Rheinisches Bildarchiv Köln
    Hans Cranach (?) (Wittenberg um 1513 – 1537 Bologna): Bildnis eines Prinzen, 1529. Eichenholz, 37 x 28,5 cm. Erworben 1957 als Geschenk des Landes Nordrhein-Westfalen. WRM 0874. Foto: Rheinisches Bildarchiv Köln
  • Jacob Jansz (tätig in Haarlem, ca. 1483 – 1509): Die Heilige Familie beim Mahl, um 1495 – 1500. Eichenholz, 45,5 x 32 cm. WRM 0471. Foto: Rheinisches Bildarchiv Köln
    Jacob Jansz (tätig in Haarlem, ca. 1483 – 1509): Die Heilige Familie beim Mahl, um 1495 – 1500. Eichenholz, 45,5 x 32 cm. WRM 0471. Foto: Rheinisches Bildarchiv Köln
  • Meister des Bartholomäus-Altars (tätig in den Niederlanden um 1475 - 1510): Muttergottes mit der Nuss, um 1485 – 1490. Eichenholz, 31 x 22 cm. Erworben 1886 als Vermächtnis des Dr. Hubert Dormagen. WRM 0578. Foto: Rheinisches Bildarchiv Köln
    Meister des Bartholomäus-Altars (tätig in den Niederlanden um 1475 - 1510): Muttergottes mit der Nuss, um 1485 – 1490. Eichenholz, 31 x 22 cm. Erworben 1886 als Vermächtnis des Dr. Hubert Dormagen. WRM 0578. Foto: Rheinisches Bildarchiv Köln
  • Meister des Bartholomäus-Altars (tätig in den Niederlanden um 1475 - 1510): Triptychon, um 1500 - 1510. Eichenholz, Mitteltafel 31,5 x 20 cm. Erworben 1961 mit Hilfe der Bundesregierung, des Landes NRW und des LVR Rheinland. WRM 0881. Foto: Rheinisches Bildarchiv Köln
    Meister des Bartholomäus-Altars (tätig in den Niederlanden um 1475 - 1510): Triptychon, um 1500 - 1510. Eichenholz, Mitteltafel 31,5 x 20 cm. Erworben 1961 mit Hilfe der Bundesregierung, des Landes NRW und des LVR Rheinland. WRM 0881. Foto: Rheinisches Bildarchiv Köln
  • Hans Burgkmair, d. Ä. (Augsburg 1473 – 1531 Augsburg): Bildnis des Hans Schellenberger, 1505. Lindenholz, 41 x 28 cm. Erworben 1936 mit der Sammlung Carstanjen. WRM 0850. Foto: Rheinisches Bildarchiv Köln
    Hans Burgkmair, d. Ä. (Augsburg 1473 – 1531 Augsburg): Bildnis des Hans Schellenberger, 1505. Lindenholz, 41 x 28 cm. Erworben 1936 mit der Sammlung Carstanjen. WRM 0850. Foto: Rheinisches Bildarchiv Köln
  • Hans Burgkmair, d. Ä. (Augsburg 1473 – 1531 Augsburg): Bildnis der Barbara Schellenberger, geb. Ehem, 1507. Lindenholz, 41 x 29 cm. Erworben 1936 mit der Sammlung Carstanjen. WRM 0851.Foto: Rheinisches Bildarchiv Köln
    Hans Burgkmair, d. Ä. (Augsburg 1473 – 1531 Augsburg): Bildnis der Barbara Schellenberger, geb. Ehem, 1507. Lindenholz, 41 x 29 cm. Erworben 1936 mit der Sammlung Carstanjen. WRM 0851.Foto: Rheinisches Bildarchiv Köln