Wallraf-Richartz-Museum & Fondation Corboud

Das Wallraf sucht einen besonders flüchtigen und schwierig darzustellenden Zeitgenossen: den Schatten. Die Ausstellung ist eine historische Entdeckungsreise, die in der frühen Neuzeit beginnt und bei der die Besucher auf Meister wie Dürer, Rembrandt und Saenredam treffen. Kurator ist der Konzeptkünstler und Kunsthistoriker Tim Otto Roth, der sich seit Jahren wissenschaftlich mit dem Thema beschäftigt.


Nach dem Mittelalter, das den Schlagschatten gänzlich aus seinen Bildern gebannt hatte, begannen sich Künstler wie Leonardo da Vinci und Albrecht Dürer eingehender mit der geometrischen Konstruktion von Schatten zu beschäftigen. Doch erst im 17. Jahrhundert entwickelte man allmählich auch ein theoretisches Verständnis, das die besonderen Projektionsverhältnisse im Sonnenlicht berücksichtigte.
 
Die Entwicklung der Schattendarstellung anhand von Graphiken nachzuvollziehen, unterscheidet sich von bisherigen an der Malerei orientierten Ansätzen, da gerade die Graphik auch als Illustrationsmedium eine Brücke zwischen Kunst und Wissenschaft schlägt. Mit einem geschärften Blick für projektive Verhältnisse bringt die Ausstellung auch zahlreiche Kuriositäten zum Vorschein: Am rätselhaftesten dürfte dabei Jan Saenredams graphische Interpretation vom „Platonischen Höhlengleichnis“ sein. „Schatten im Blick“ läuft noch bis zum 13. Januar im Graphischen Kabinett.