„Schön kaputt! – Restaurieren oder nicht?“ Diese titelgebende Frage stellt das Wallraf vom 9. bis 18. Oktober 2020 ins Zentrum einer eigenen Sonderschau: Anlässlich des Europäischen Tages der Restaurierung am 11.10.20 zeigen die Kunsttechnologinnen des Kölner Museums eine ungewöhnliche Auswahl von zwölf Gemälden und Graphikblättern, die aufgrund ihrer Fragilität oder Beschädigungen normalerweise nicht ausgestellt werden. Denn nicht die Kunst an sich steht im Mittelpunkt, sondern viel mehr ihr Zustand und der damit verbundene, professionelle Umgang. Dabei geht es den Expertinnen weder um richtig oder falsch noch um schön oder unschön. Sie stellen den Besuchern lieber die vielen spannenden Möglichkeiten des Herangehens vor.


Zu sehen sind im Wallraf sogar Objekte, deren Beschädigungen irreversibel sind oder deren Restaurierung aus unterschiedlichen Gründen schlicht nicht möglich ist. Aber gerade diese Schäden verleihen den Werken eine ganz eigene Ästhetik und auch Schönheit. Besonders gut lässt sich dies an einem Damenporträt von Franz von Lenbach aus den 1890 er Jahren ablesen. Mit verträumtem Blick schaut die junge Frau aus der Vergangenheit zu uns herüber. Ihr Antlitz ist als einziges unversehrt, doch der große Teil der restlichen Malschicht ist durch falsche Lagerung und Handhabung von der Leinwand abgeplatzt und unwiederbringlich verloren gegangen. Sollte man diese beeindruckenden Spuren und Zeugnisse der Zeit heute etwa restaurieren oder gar retuschieren?