Wallraf-Richartz-Museum & Fondation Corboud

Im Winter 2020/21 lädt das Wallraf-Richartz-Museum & Fondation Corboud zu einer impressionistischen Reise durch die eigene Sammlung. Mit „Bon Voyage, Signac!“ begrüßt das Museum nämlich einen kostbaren Neuzugang in seinen Reihen: Von der Stiftung Kunst im Landesbesitz (NRW) erhält das Wallraf als Dauerleihgabe Paul Signacs Hafenansicht Konstantinopel: Yeni Djami von 1909. Um dieses Hauptwerk aus dem späteren OEuvre des Künstlers versammeln sich rund sechzig Gemälde von Malern wie Monet, Manet, Caillebotte, Courbet, Gauguin, Cézanne van Gogh und Matisse und nehmen die Besucher mit auf eine Reise von der Normandie über die Bretagne durch Südfrankreich ans Mittelmeer bis nach Istanbul.


Eine weitere Reise bietet das Wallraf mit „Poesie der See - Niederländische Marinemalerei aus dem 17. Jahrhundert“. In der neuen Jahrespräsentation segeln die Besucher durch vertraute Flusslandschaften, entlang der niederländischen Küste bis in die exotischsten Regionen voller Geheimnisse und Abenteuer. Dafür kommen im Fenstersaal der Barockabteilung mit Blick auf den Kölner Dom mehr als zwanzig Gemälde von Marinemalern wie Josse de Momper, Jan van Goyen, Salomon van Ruysdael und Pieter de Molyn aus einer erstmals öffentlich gezeigten Privatsammlung zusammen.


In seinem Graphischen Kabinett zeigt das Wallraf über das ganze Jahr 2020 hinweg eine eigene Trilogie zum Thema Liebe: „Amor ist ewig – Liebeslektüre zur Rubenszeit“, „Liebe am Abgrund – Edvard Munch, Max Klinger und das Drama der Geschlechter“ sowie „Liebe, Macht & Ohnmacht – Judit, Delilah & Co.“ heißen die drei Ausstellungen, die das Thema in all seinen Facetten beleuchten werden.


Last but not least widmet sich das Wallraf mit einer weiteren Sammlungspräsentation dem lombardischen Künstler Carlo Innocenzo Carlone (1686 – 1775), der mit seinen bewegt aufgefassten Arbeiten als einer der Wegbereiter des Rokoko gilt.

Im Überblick: Wallraf 2020

 

Sonderausstellungen

Inside Rembrandt • 1606-1669

Bis 1.3.2020

Meister, Virtuose, Genie oder Star - die Synonyme für Rembrandt sind so vielfältig wie seine Kunst, die die Menschen weltweit begeistert. Aber warum ist das so? Dieser Frage geht das Wallraf-Richartz-Museum mit einer großen Sonderausstellung nach: „Inside Rembrandt • 1606-1669“ ist eine Hommage an den Maler zu seinem 350. Todestag († 4. Oktober 1669 in Amsterdam). Sie taucht ein in die Welt des Niederländers und erzählt bildgewaltig von einem dramatischen Künstlerleben zwischen Tragödie und Komödie. Dazu zeigt das Wallraf neben eigenen Rembrandt-Werken auch hochkarätige Leihgaben aus zahlreichen internationalen Häusern. So schickt die traditionsreiche Prager Nationalgalerie ihr faszinierendes Gemälde „Der Gelehrte im Studierzimmer“ erst zum zweiten Mal auf eine Reise ins Ausland. Um den Kosmos Rembrandt in all seinen Facetten aufleben zu lassen, präsentiert die Ausstellung auch ausgesuchte Arbeiten seiner Zeitgenossen und Schüler wie Jan Lievens, Govert Flinck und Ferdinand Bol. „Inside Rembrandt“ läuft noch bis zum 1. März 2020 im Wallraf und ist eine Kooperation mit der Nationalgalerie Prag.

Die Ausstellung startet dort, wo auch für Rembrandt alles beginnt: im niederländischen Leiden. Hier wird er am 15. Juli 1606 geboren und verbringt seine Kindheit und Jugend in einer Geisteswelt, die ihn für immer prägen sollte, sowohl privat wie auch beruflich. Und hier eröffnet er im Jahre 1625 auch sein erstes Atelier. Anhand von frühen Rembrandt-Werken zeigt die Sonderschau eindrucksvoll, wie intensiv und detailversessen sich der Künstler schon damals dem Porträtieren von Menschen widmet. Klug und liebevoll platziert er sie in passende Interieurs und taucht sie in ein geradezu spirituelles Licht. Doch seine Geburtsstadt wird dem ambitionierten jungen Mann zu eng und so zieht es ihn Anfang der 1630er Jahre nach Amsterdam. Hier wird aus seiner Könner- eine Meisterschaft; schnell steigt er zum bestbezahlten Maler der Niederlande auf. In dieser Zeit, auf dem Höhepunkt seines künstlerischen Schaffens, malt Rembrandt auch den Prager „Gelehrten“. In diesem glanzvollen Bild stecken das ganze Können und der Ehrgeiz des Malers, weshalb das Gemälde auch im Zentrum der Ausstellung hängt. Gemeinsam mit anderen Werken zeugt es von der Strahlkraft des Niederländers. Diese findet sich aber nicht nur in seinen eigenen Gemälden, Radierungen und Zeichnungen, sondern steckt auch in Bildern seiner Schüler, Werkstattmitarbeiter und Kollegen, die ihm allesamt nacheiferten. Wer „Inside Rembrandt“ besucht, der lernt das Genie von einer neuen Seite kennen und besser zu verstehen.

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Bon Voyage, Signac!

Eine impressionistische Reise durch die eigene Sammlung

2.10.2020 – 31.1.2021

Sommer im Hafen von Istanbul. Unter vollen Segeln schieben sich Schiffe links und rechts aus dem Sichtfeld des Betrachters. Wie ein aufgehender Vorhang geben sie den Blick frei auf die einmalige Skyline aus Kuppeln, Türmen und Minaretten. Mit einem einmaligen Farbgefühl und tausenden Pinseltupfern zauberte Paul Signac diese Szenerie im Jahre 1909 auf die Leinwand. Damals hieß die Stadt noch Konstantinopel und war die bedeutendste Metropole des Osmanischen Reiches. Jetzt steht das pointilistische Hafengemälde in Köln im Mittelpunkt der Sonderausstellung „Bon Voyage, Signac!“. Um das Bild gruppieren sich dabei mehr als fünfzig Werke von namhaften Künstlern wie Monet, Manet, Caillebotte, Courbet, Gauguin, Cézanne van Gogh und Matisse. Mit dieser impressionistischen Reise durch die eigene Sammlung begrüßt das Wallraf einen neuen Signac. Dank der großzügigen Dauerleihgabe der Stiftung Kunst im Landesbesitz (NRW) kann das Museum mit Signacs Konstantinopel: Yeni Djami nun auch ein Hauptwerk aus dem späteren Œuvre des Künstlers zeigen. Eigens dafür hat die hauseigene Abteilung Kunsttechnologie und Restaurierung das Bild eingehend konservatorisch untersucht und die oberste Malschicht des Gemäldes einer vorsichtigen Reinigung unterzogen. Der Weg dieser Restaurierung wird anschaulich dokumentiert und ihr Ergebnis ist atemberaubend. Dieser „neue“ Signac wird nun erstmals der Öffentlichkeit präsentiert.

Die malerische Reise durchs Wallraf beginnt in der Normandie. Die Küstenregion im Norden Frankreichs gilt als die Wiege des Impressionismus. Künstler wie Boudin, Caillebotte, Courbet, Luce und Monet reisten hierher, um Strände, Häfen, Dörfer und Menschen in schillernden Farben festzuhalten. So wurde aus dem kleinen Küstenort Trouville in kurzer Zeit eine frühe Hochburg der Freiluftmalerei. In die Bretagne, zweite Station der Ausstellungsreise, zog es viele Maler aus Paris spätestens nach Eröffnung der direkten Bahnverbindung im Jahre 1863. Die außergewöhnlichen Lichtverhältnisse auf der Halbinsel gepaart mit der Exotik der Region, ihren keltischen Wurzeln und fantasievollen Legenden begeisterten Meister wie Bernard, Gauguin und Signac. Sie malten die bretonische Landschaft zu allen Jahreszeiten und setzten dabei auch die Bevölkerung mit großer Hingabe in Szene. Später nahmen viele Maler für neue Inspirationen auch weite Fahrten auf sich. Die Ausstellung zeigt, wie die Sonne Südfrankreichs und ihr faszinierendes Licht nicht nur Impressionisten anzog, sondern auch Postimpressionisten wie Cézanne und van Gogh oder Fauvisten wie Matisse und van Dongen. Und damit schließt sich der Kreis der Sammlungspräsentation im Wallraf: eine Kunst-Reise an einige der schönsten Flecken Frankreichs. Am Ende dieser Sammlungsreise wartet auf die Besucher eine besondere Sektion, die allein den Werken Signacs gewidmet ist, in der uns der Maler über Frankreich nach Italien entführt und weiter: bis Konstantinopel. Die Bilder, die Signac und seine Mitstreiter damals im Gepäck mit nach Hause brachten, wecken auch heute noch beim Betrachter – neben Bewunderung und Kunstgenuss – immer auch das Fernweh!

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Sammlungspräsentationen

Poesie der See

Niederländische Marinemalerei

27.3.2020 – 28.2.2021

Die Niederlande gelten im 17. Jahrhundert nicht nur wirtschaftlich sondern vor allem auch kulturell als eine der reichsten Mächte der Welt. Auf ihrem Höhepunkt erschaffen dort an die 700 Maler jährlich rund 70.000 Gemälde, weshalb die Epoche auch heute noch als „Goldenes Zeitalter“ bezeichnet wird. Reichtum und Erfolg der noch jungen Republik beruhen auf der Beherrschung der Weltmeere wie der Binnengewässer. Das starke Selbstbewusstsein als Seefahrernation inspiriert auch die Kunst. Eine neue Gemäldegattung entsteht: die Marinemalerei. Nicht weniger poetisch als die Dichtkunst fängt sie die Vielfalt und Bedeutung der Schifffahrt ein. Sie widmet sich dem kleinen Fischerboot am heimischen Strand genauso detailreich und liebevoll wie dem imposanten Dreimaster auf stürmischer See.

Eine feine Auswahl dieser gemalten Marinepoesie zeigt das Wallraf in seiner neuen Jahrespräsentation. Im Fenstersaal der Barockabteilung mit Blick auf den Kölner Dom kommen mehr als zwanzig Gemälde von Marinemalern wie Josse de Momper, Hendrick Cornelisz. Vroom, Isaac Willaerts, Jan Porcellis, Pieter Mulier, Jan van Goyen, Salomon van Ruysdael und Pieter de Molyn zusammen. Die Werke stammen aus einer erstmals ausgestellten Privatsammlung und geben einen faszinierenden Einblick in die Vielfalt, Klasse und Bedeutung dieser Kunstgattung und ihrer Motive. Mit „Poesie der See“ segeln die Besucher durch vertraute Flusslandschaften, entlang der niederländischen Küste bis in die exotischsten Regionen voller Geheimnisse und Abenteuer. Oder um es mit den Worten des niederländischen Dichters Joost van den Vondel zu sagen, der 1613 in seinem Lobgesang auf die Schifffahrt schwärmt: „Oh vereinigte Niederlande, wo der Wohlstand deiner schiffreichen Städte wächst, oh Admiral, der du auf den Winden wirbelst und auf dem azurblauen Feld salziges Zaumzeug führst ...“

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Carlo Carlone

Ölskizzen aus der Zeit des Rokoko

27.3. – 2.8.2020

Er war einer der meistbeschäftigten Maler seiner Zeit, wirkte in Österreich, Deutschland, Italien und schuf vor allem Wand- und Deckengemälde sowie großformatige Ölbilder für Kirchen und Paläste. Mit seinen bewegt aufgefassten Arbeiten gilt er als einer der Wegbereiter des Rokoko. Die Rede ist vom lombardischen Künstler Carlo Innocenzo Carlone (1686 – 1775), der seit jüngstem auch mit sechs Arbeiten im Wallraf vertreten ist. Die Dauerleihgaben der Sammlung Dr. med. Joseph und Maria Matzker stellen eine reizvolle Ergänzung der hauseigenen Kollektion dar, wie in der Präsentation „Carlo Carlone – Ölskizzen aus der Zeit des Rokoko“ zu sehen ist.

Als Kind einer Künstlerfamilie zog es Carlone schon früh zur Malerei. Mit Aufenthalten in Venedig rundete er seine Ausbildung ab und ließ sich 1715 in Wien nieder, wo er sich bald einen Namen machte – in kirchlichen Kreisen ebenso wie beim Adel. Sein guter Ruf drang bis nach Süddeutschland, wo Carlone bedeutende Arbeiten in den Residenzen Ludwigsburg und Ansbach ausführte. Nach intensiven Tätigkeiten in Oberitalien und im nahe gelegenen Tessin kehrte der Künstler von 1747 bis 1750 für einen Großauftrag nach Deutschland zurück: Ausschmückungen im Schloss Augustusburg in Brühl, das zu den ersten bedeutenden Schöpfungen des Rokoko in Deutschland zählt. In seinem Nachlass befanden sich rund 700 Bilder, Bozzetti und Zeichnungen. Vor allem diese Entwürfe und Skizzen führten im späten 20. Jahrhundert zu einer Neubewertung von Carlones Kunst und trugen zu seiner neu erwachenden Berühmtheit bei.

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Im Graphischen Kabinett

Amor ist ewig – Trilogie I

Liebeslektüre zur Rubenszeit

14.2. – 24.5.2020

Ausgangspunkt der Ausstellung bildet ein Bestseller des 17. Jahrhunderts: die 1608 in Antwerpen erschienen Amorum Emblemata (Liebesembleme) des Rubenslehrers Otto van Veen – ein ebenso amüsantes wie geistreiches Buch über die Liebe. In Kupferstichen und Texten, die insbesondere die antike Literatur zitieren, wird hier das Unwesen beschrieben, das der freche Liebesgott Amor treibt. Bestimmt war die populäre Wort-Bild-Lektüre vor allem für die Jugend der Zeit, die damit vor Eintritt in die Ehe spielerisch an ein Gefühl von großer Macht herangeführt wurde. Amors Wirken bildet den Auftakt zu einem Jahr im Graphischen Kabinett, das sich der Liebe in drei ihrer unzähligen Facetten widmet.

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Liebe am Abgrund – Trilogie II

Edvard Munch, Max Klinger und das Drama der Geschlechter

19.6. – 20.9.2020

Im zweiten Teil der diesjährigen Ausstellungstrilogie zur Liebe treffen im Graphischen Kabinett eindringliche druckgraphische Arbeiten von Edvard Munch auf ausgewählte Radierungen von Max Klinger. Der große Norweger verehrte die Kunst Klingers, der um 1900 ein Star der deutschen Kunstszene war und vor 100 Jahren am 4. Juli 1920 verstarb. Beide Künstler haben immer wieder die Anziehungskraft zwischen Mann und Frau, vor allem aber die Spannung zwischen den Geschlechtern reflektiert, die um die Jahrhundertwende nicht nur in der bildenden Kunst, sondern auch in der Literatur, Musik und Philosophie thematisiert wurde. Dabei verbildlichten Klinger und Munch das letztlich unauflösliche Drama zwischen Mann und Frau zum Teil in bemerkenswerter Motivnähe.

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Liebe, Macht & Ohnmacht – Trilogie III

Judit, Delilah & Co.

5.11.2020 – 7.2.2021

Die letzte Ausstellung der Trilogie zur Liebe im Graphischen Kabinett konzentriert sich auf die Darstellung starker Frauen, insbesondere auf solche biblischen Heldinnen, die ihre Weiblichkeit gezielt einsetzen. So etwa rettete die schöne, jung verwitwete Judit ihr jüdisches Volk, indem sie den assyrischen Heerführer Holofernes trunken machte und enthauptete, und Delilah stellte sich gegen Bezahlung in den Dienst der Philister, um den israelischen Richter Simson zu verführen und ihm dabei das Geheimnis seiner scheinbar unbezwingbaren Kraft zu entlocken. Listiger Mut, aber auch schöner Schauer, erotische Spannung und der Blick auf das Verhältnis der Geschlechter bestimmen die Darstellungen in der Kunstgeschichte, im Laufe derer die biblischen Überzeugungstäterinnen zunehmend als „femmes fatales“ betrachtet wurden.

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