Blutrünstige Dramen, sinnliche Liebschaften und theatralische Inszenierungen – die künstlerische Welt des Barocks begeistert die Menschen auch noch heute – mehr als vierhundert Jahre nachdem Meister wie Tintoretto, Rembrandt und Rubens sie erschufen. Um ganz in diesen Kosmos eintauchen zu können, hat das Wallraf-Richartz-Museum nun für sein Publikum die eigene Barocksammlung vollständig umgestaltet. In einem zweijährigen „work in progress“ hat das Kölner Haus alle Gemälde thematisch neu sortiert, gehängt und betextet, sowie mit modernen Spots auf farbigen Wänden effektvoll in Szene gesetzt. Seine hervorragende Sammlung verstärkte das Wallraf zudem durch kluge Ankäufe, Dauerleihgaben und unerwartete Depotfunde mit reizvollen Neuzugängen. Darüber hinaus wurden einige Meisterwerke so umfänglich restauriert, dass sie jetzt wie frisch gemalt in vollem Glanz erstrahlen. Gleich am Eingang zur Sammlung können Kunstfreunde aller Generationen mit der digitalen Anwendung AR RUBENS das großformatige Meisterstück „Juno und Argus“ unter persönlicher Führung des flämischen Malers analog und virtuell erkunden.
Um ein sinnlich erlebbares, atmosphärisches Gesamtbild der Epoche zu vermitteln gehen die neue thematische Gliederung der Sammlung und das Design Hand in Hand. Die vielfältigen Aspekte und Stimmungen erschließen sich schon beim ersten Betreten als umfassender Raumeindruck. Die geschickt in Blickachsen gehängten Werke laden das Publikum zur Einzelbetrachtung ein und lassen zudem die Gemälde in fruchtbare Dialoge miteinander treten. So wirkt es im Prunksaal fast so, als wenn sich die zweireihig gehängten Porträts über die Jahrhunderte hinweg unterhalten würden. Je mehr Themenräume wie „Die Welt als Bühne“, Beseelte Bilder oder „Gemalte Verführung“ die Besucher*innen durchschreiten, umso tiefer werden sie in das barocke Lebensgefühl und die damalige Weltsicht hineingesogen. Neben den charakteristischen Aspekten der Barockmalerei wie Religion, Alltag, Natur, Krieg und Liebe lernen sie dabei die verschiedenen Malerschulen und –generationen der Epoche und ihre stilistische Entwicklung kennen.


Ein zweites Hauptwerk von Peter Paul Rubens, das „Mantuaner Freundschaftsbild“ mit dem ersten Selbstporträt des jungen Malers überhaupt, beleuchtet noch bis zum 24. Oktober eine zweite Intervention: Eine Vitrine mit historischen Schriftstücken aus Kölner Privatbestiz illustriert das für Rubens zentrale Verhältnis zu dem Neostoiker Justus Lipsius, den der Flame gemeinsam mit seinem Bruder Philip auf dem „Mantuaner Freundschaftsbild“ darstellt.
Die Neugestaltung der Barockabteilung, die im Herzen des Wallrafs zwischen der berühmten Mittelaltersammlung und den beliebten Impressionisten liegt, erfolgte mit maßgeblicher finanzieller Unterstützung durch die Heinrich und Anny Nolte Stiftung. Der Erneuerungsprozess wurde unlängst mit der Fertigstellung des großen Prunksaals "Die Welt als Bühne" mit Stars wie Tintoretto, Rembrandt und Rubens abgeschlossen.