Das Verhältnis der Geschlechter und insbesondere der Blick des Mannes auf die Frau sind in den letzten Jahren besonders stark in den Fokus der Öffentlichkeit gerückt. In seiner neuen Sonderschau „Eros, Macht und Ohnmacht“ verfolgt das Wallraf-Richartz-Museum diesen Blick sogar bis ins späte 15. Jahrhundert und zeigt eine erstaunliche Auswahl von rund dreißig Frauendarstellungen von Dürer bis Liebermann. Die Künstler ließen sich alle von jenen biblischen, mythologischen und weltlichen Figuren inspirieren, deren sinnliche Schönheit Männer in verschiedenster Form überwältigt. Alle diese Darstellungen eint eine männlich dominierte Sichtweise der Künstler sowie ihrer Auftraggeber und Kunden. Sie sahen in der erotischen Verführungsmacht der Frau auch eine Gefahr für den Mann. Immer gilt die Frau als anziehend und verführerisch, aber zugleich bedrohlich und letztlich verhängnisvoll. Die Ausstellung beweist, wie diese künstlerischen Stereotype über Jahrhunderte die Geschlechterrollen prägten. Der dritte und letzte Ausstellungsteil der „Trilogie zur Liebe“ ist vom 6.11.20 bis 7.3.21 im Graphischen Kabinett des Wallraf zu sehen.


Bei den biblischen Motiven stehen listige Heroinen wie Judith und Delilah im Mittelpunkt. Sie setzen ihre Weiblichkeit strategisch ein, um ihr Volk zu retten. Doch das künstlerische Bild dieser Heldinnen verändert sich im Laufe der Zeit: Sind sie im 15. Jahrhundert vor allem noch ein frommes Werkzeug Gottes, so wird ihre Darstellung zunehmend erotisch aufgeladen bis sie schließlich im späten 19. Jahrhundert zur grausamen „Femme fatales“ aufsteigen, denen der Mann wehrlos ausgesetzt ist. Während bei den biblischen Interpretationen die erotische Ausstrahlung immer stärker in den Vordergrund tritt, arbeiten die Künstler bei ihren mythologischen und profanen Motiven vor allem mit Klischees. Hier treffen dann gerne durchtriebene Weiber auf tölpelhafte Gatten oder machen sich liebestolle Männer für Frauen zum Narren. Althergebrachte aber leider wohl zeitlose Stereotype, die die männlichen Betrachter damals warnen sollten, ihre „naturgegebene Macht“ nicht an die Frau zu verlieren. Bemerkenswert scheint dabei der gezielte Einsatz von Komik. Indem die „verkehrte Welt“ die Betrachter zum Lachen bringen soll, wird die bestehende Geschlechterhierarchie bestätigt und indirekt zementiert.