Forschungsprojekt weist zwei Gurlitt-Provenienzen nach

Wallraf zeigt Zeichnungen von Menzel und Dahl auch in Ausstellung:

 

Im Rahmen seiner eigenen Provenienzforschung, mit der das Wallraf-Richartz-Museum die Ankäufe der Graphischen Sammlung zwischen 1933 und 1945 untersucht, konnte bei zwei Meisterzeichnungen nachgewiesen werden, dass sie damals über den Kunsthändler Hildebrand Gurlitt ans Haus kamen. Bei den betreffenden Werken handelt es sich um die Zeichnungen „Blick über die Dächer von Schandau“ von Adolph Menzel und „Mitternachtssonne“ von Johan Christian Dahl.

Im Falle der Menzel-Zeichnung konnte sogar die Herkunft des Werks bis zu ihrem ursprünglichen Besitzer rekonstruiert werden. Nach dem Tode des Kunstsammlers Albert Martin Wolffsons im Jahre 1913 geht die Sammlung an seine Witwe Helene Marie Wolffson über, die Teile daraus verkauft und den Rest ihren Kindern Elsa Helene Cohen, geb. Wolffson (1874–1947) und Ernst Julius Wolffson (1881–1955) vermacht. Unter der Herrschaft der Nationalsozialisten werden beide aufgrund ihrer jüdischen Abstammung verfolgt. Ernst Julius verbleibt in Hamburg, während Elsa Helene zusammen mit der Familie ihres einzigen Sohnes in die USA flieht.

Wenige Monate vor ihrer Ausreise veräußert die Familie am 31. Dezember 1938 insgesamt 14 Menzel-Zeichnungen an den Kunsthändler Hildebrand Gurlitt. Dies lässt sich anhand seines kürzlich auf www.lostart.de veröffentlichten Geschäftsbuches nachvollziehen. In dem Konvolut findet sich auch eine Zeichnung mit dem Titel „Dächer“. Dieses Werk taucht im April 1939 anlässlich einer Menzel-Ausstellung in der Chemnitzer Kunsthandlung Gerstenberger auf, wo das Wallraf die Zeichnung unter dem Titel „Blick auf Schandau“ ankauft. Das Wallraf-Richartz-Museum & Fondation Corboud hat wegen dieser Zeichnung mit der Familie Wolffson Kontakt aufgenommen.