Wallraf-Richartz-Museum & Fondation Corboud

Die Überwältigung der Sinne


Schillernd wie die Epoche selbst ist auch die Bedeutung des Wortes „Barock“. Abgeleitet von dem portugiesischen „barocca“, der unregelmäßig geformten Perle, wurde der Begriff zum Sinnbild für Opulenz, lebensfrohe Sinnlichkeit und pompöse Prachtentfaltung. Im 18. Jahrhundert tauchte er erstmals in Verbindung zur Kunst auf. Im 19. Jahrhundert wurde die Bezeichnung gar zum Schimpfwort.

Historisch war der Barock (ca. 1580 – 1750) eine Zeit der großen Gegensätze: Höfischer Prunk und bürgerlicher Wohlstand, die Entdeckung der Welt, bahnbrechende Erfindungen und eine nie dagewesene kulturelle Blüte auf der einen Seite, Krieg, Glaubenskämpfe, Naturkatastrophen, Seuchen und Hungersnöte auf der anderen. Das Bewusstsein der Vergänglichkeit alles Irdischen schwebte im Guten wie im Bösen über der Epoche. Mahnungen zu tugendhafter Mäßigung finden sich ebenso wie Sinnbilder purer Lebensfreude. Man bedachte das memento mori (Gedenke des Todes) und frönte dem carpe diem (Lebe den Tag). All diese Aspekte spiegeln sich auch in der bildenden Kunst der Zeit.

Erzählungen aus der antiken Literatur und der Bibel werden zum Vorwand für dramatische und lustvolle Bildgeschichten. Die Maler inszenieren sie auf ihren Leinwänden wie auf einer Bühne, theatralisch und großformatig. Der drastischer Horror oder die erhabene Schönheit der Motive sollen den Betrachter erschüttern und bewegen.

Hand in Hand mit zunehmend bürgerlichen Auftraggebern emanzipieren sich die Künstler von den Historien und erklären auch die dingliche Welt zum selbständigen Bildgegenstand. So breiten sie nun zum Beispiel in Stillleben die Vielfalt und Pracht der Schöpfung aus. Mit flüssigem Pinsel und schmelzenden Farben demonstrieren sie ihre virtuosen Fähigkeiten im Nachahmen der Natur.

Inbegriff des Barock stellt die flämische Malerei des Goldenen Zeitalters dar, der dieser Saal gewidmet ist. Daneben zeigt er Künstler des 16. Jahrhunderts, die den berühmten Barockmeistern Rubens, van Dyck oder Jordaens den Weg bahnten.

  • Peter Paul Rubens (Siegen 1577 – 1640 Antwerpen), Juno und Argus, um 1610, Leinwand, Stiftung der Kölner Kunstfreunde, 1894, Wallraf-Richartz-Museum
    Peter Paul Rubens (Siegen 1577 – 1640 Antwerpen), Juno und Argus, um 1610, Leinwand, Stiftung der Kölner Kunstfreunde, 1894, Wallraf-Richartz-Museum
  • Anthonis van Dyck (Antwerpen 1599 – 1641 London), Jupiter als Satyr bei Antiope, um 1620, Leinwand, Leihgabe der Bundesrepublik Deutschland, 1966
    Anthonis van Dyck (Antwerpen 1599 – 1641 London), Jupiter als Satyr bei Antiope, um 1620, Leinwand, Leihgabe der Bundesrepublik Deutschland, 1966
  • Jacob Jordaens (Antwerpen 1593 – 1678 Antwerpen), Der gefesselte Prometheus, um 1640, Leinwand, Erworben 1860, Wallraf-Richartz-Museum
    Jacob Jordaens (Antwerpen 1593 – 1678 Antwerpen), Der gefesselte Prometheus, um 1640, Leinwand, Erworben 1860, Wallraf-Richartz-Museum
  • Frans Snijders (Antwerpen 1579 – 1657 Antwerpen), Stillleben mit Geflügel und Wildschweinkopf, 1614, Leinwand, Erworben 1953 mit Unterstützung des Kunst- und Auktionshauses Angersbach, Köln, Wallraf-Richartz-Museum
    Frans Snijders (Antwerpen 1579 – 1657 Antwerpen), Stillleben mit Geflügel und Wildschweinkopf, 1614, Leinwand, Erworben 1953 mit Unterstützung des Kunst- und Auktionshauses Angersbach, Köln, Wallraf-Richartz-Museum