Wallraf-Richartz-Museum & Fondation Corboud

POESIE UND PROSA DES LEBENS


Die niederländische Malerei ist berühmt für ihren naturnahen Realismus - sowohl in der Motivwahl als auch der Darstellungsweise. Schon im 17. Jahrhundert schätzten die nun meist bürgerlichen Kunstliebhaber Gemälde, die wie ein Ausschnitt ihrer Welt wirkten. Und sie liebten darin den Blick aus nächster Nähe auf Gegenstände des täglichen Lebens.
Die große Nachfrage förderte neue Bildgattungen. So spezialisierten sich einzelne Maler zum Beispiel auf das Stillleben mit einem einfachen Imbiss oder Rauchutensilien. Der Blick in Scheunen, Kirchen und Wachstuben wurde zum eigenständigen Motiv. Die Gemälde spiegeln das bescheidene ländliche Leben, den calvinistischen Glauben oder die Allgegenwart von Söldnern und Offizieren in den unruhigen Kriegszeiten.
Mit diesen alltagsnahen Momentaufnahmen konnten sich die Betrachter identifizieren. Oder sie amüsierten sich - zur eigenen Selbstbestätigung - über die Laster und Schwächen der unteren Gesellschaftsschichten. Eine heimelige Atmosphäre verströmen Familienbilder, die im häuslichen Umfeld spielen. Doch immer gewannen die Künstler der nüchternen Alltagswirklichkeit poetische Augenblicke ab.
Die zurückhaltende Farbpalette mit Braun-, Oliv- und Grautönen und der teilweise nur dünne Farbauftrag dieser Bilder entsprachen den schlichten Motiven. Diese Monochromie bedeutet jedoch keine Kunstlosigkeit. Im Gegenteil: die Abstufung der Erdtöne ist ebenso virtuos wie das Spiel mit dem einfallenden Tageslicht. Es hebt einzelne Partien hervor und lässt andere in dämmrigen Schatten fallen. Keck funkeln Reflexe und Spiegelungen auf Gläsern, Metallgefäßen, Wänden oder Böden. Sparsame Buntakzente leuchten auf. Vor den meist dunklen Hintergründen treten die Objekte und Figuren plastisch hervor, fast mit den Händen zu greifen.

  • Isaac van Ostade (Haarlem 1621 - 1649 Haarlem), Das Innere einer Bauernscheune, 1642, Eichenholz, Erworben 1963, Wallraf-Richartz-Museum
    Isaac van Ostade (Haarlem 1621 - 1649 Haarlem), Das Innere einer Bauernscheune, 1642, Eichenholz, Erworben 1963, Wallraf-Richartz-Museum
  • Emanuel de Witte (Alkmaar 1617 - 1692 Amsterdam), Das Innere einer protestantischen Kirche, 1674, Leinwand, Erworben 1940, Wallraf-Richartz-Museum
    Emanuel de Witte (Alkmaar 1617 - 1692 Amsterdam), Das Innere einer protestantischen Kirche, 1674, Leinwand, Erworben 1940, Wallraf-Richartz-Museum
  • Gerard ter Borch II (Zwolle 1617 – 1681 Deventer), Der schlafende Soldat, 1652/53, Öl auf Eichenholz, Erworben 1916, Wallraf-Richartz-Museum
    Gerard ter Borch II (Zwolle 1617 – 1681 Deventer), Der schlafende Soldat, 1652/53, Öl auf Eichenholz, Erworben 1916, Wallraf-Richartz-Museum
  • Willem Claesz. Heda (Haarlem 1594 – 1680/82 Haarlem), Stillleben mit Römer und Zitrone, 1632, Öl auf Eichenholz, Stiftung Frau Peter Fuchs, Köln, 1898/99, Wallraf-Richartz-Museum
    Willem Claesz. Heda (Haarlem 1594 – 1680/82 Haarlem), Stillleben mit Römer und Zitrone, 1632, Öl auf Eichenholz, Stiftung Frau Peter Fuchs, Köln, 1898/99, Wallraf-Richartz-Museum
  • Adriaen Coorte (IJzendijke 1659/64 – 1707 Middelburg), Stillleben mit Erdbeeren in einem Tontöpfchen, 1704, Papier auf Leinwand, Heinrich und Anny Nolte-Stiftung, Essen, Wallraf-Richartz-Museum
    Adriaen Coorte (IJzendijke 1659/64 – 1707 Middelburg), Stillleben mit Erdbeeren in einem Tontöpfchen, 1704, Papier auf Leinwand, Heinrich und Anny Nolte-Stiftung, Essen, Wallraf-Richartz-Museum